Rose
Singen und
Impedanz.




Unterschiedliche Perspektive führen zu verschiedenen Aussagen über Beobachtbares. Physiker benutzen andere Beobachtungs- und Beschreibungssysteme als anders ausgebildete Wissenschaftler. Das gilt auch für das Phänomen Singen. Die Frage nach besseren oder schlechteren Perspektiven ist keine sinnvolle Frage.

Was lebendig erzeugt wurde, entzieht sich  physikalischer Beschreibung nicht gänzlich, wenn auch andere Perspektiven zu differenzierteren Aussagen kommen. Das gilt auch für Gesungenes. Wenn man akzeptiert, daß die Beschreibung dessen was man hören kann, nämlich Luftschall, aus physikalischer Perspektive sehr gut möglich ist, kann man zumindest nicht vollkommen abstreiten, daß auch alle Erzeugungsmechanismen aus der selben Perspektive beschreibbar sein sollten. 

Um die Funktion des Zwerchfells beim Singen differenziert darzustellen, drängen sich somit  physikalische Kategorien auf. Neben der Atemfunktion des Zwerchfells kann dann auch dessen akustische Funktion besser beschrieben werden, die in den meisten Gesangschulen unter dem Oberbegriff "Atmen" subsummiert  erscheint.

Was ist Impedanz in dem Zusammenhang?

Zur Bewegung befähigte Dinge neigen zum Schwingen. Dabei pendeln Energien zwischen gekoppelten "Zuständen". Beispielsweise verwandelt sich die konstant bleibende Energie eines Masse-Feder-Systems ständig von Bewegungsenergie der Masse in die Spannung der angekoppelten Feder. Ebenso tauscht sich die Federenergie des komprimierten Gases (Druck) mit der Bewegungsenergie der Luftmoleküle (Schnelle) bei der Schallausbreitung einer Welle ständig aus. Damit ein Medium in Schwingung versetzt werden kann, muß es einem angreifenen Außen eine Eingriffsmöglichkeit bieten: (Wechsel-)Druck kann daher auch als Kraft beschrieben und gemessen werden, die auf eine Fläche wirkt. Kräfte brauchen Gegenkräfte, um überhaupt wirken zu können. Actio und Reactio bedingen einander. Daher besitzen Aktoren und Medium im Fall der Schallausbreitung

Schwingwiderstände = Impedanzen.

Erst im Vakuum verschwinden diese Widerstände zusammen mit dem Medium. Man kann weiterhin trennen zwischen der Aufgabe der Luft als Energiequelle (subglottischer Luftdruck beim Singen) und der Eigenschaft des Mediums Luft als Schallleiter (sowohl unter- als auch oberhalb der Stimmlippen, sowohl innerhalb und außerhalb des singenden Organismus'), wenn man die Funktion des Zwerchfells beim Singen differenzieren will.

Wir unterscheiden die Atemfunktion als die eines Energiespeichers (Drucklieferant) von der Impedanz des Zwerchfells als akustischem Aktor.


11.05.06
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